ETF-Investition in der Schweiz

Chancen für Anlegerinnen und Anleger

Exchange Traded Funds (ETFs) haben sich in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Anlageinstrumente für Privatanlegerinnen und Privatanleger entwickelt. Auch in der Schweiz ist ein klarer Trend hin zu passiven, kostengünstigen Indexfonds zu beobachten. ETFs ermöglichen es Anlegerinnen und Anlegern, mit relativ geringem Aufwand breit diversifiziert in die Finanzmärkte zu investieren. Gleichzeitig bieten sie steuerliche Vorteile und eine hohe Transparenz.

Dieser Beitrag beleuchtet, warum ETFs zunehmend an Bedeutung gewinnen, welche Chancen sie bieten und welche steuerlichen Aspekte Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz beachten sollten.

Der ETF-Boom in der Schweiz

Der Schweizer ETF-Markt wächst seit Jahren dynamisch. Eine umfassende Analyse liefert die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 der Hochschule Luzern, für die mehr als 3’400 Personen in der Deutsch- und Westschweiz befragt wurden. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass ETFs zu einem zentralen Baustein der Vermögensanlage geworden sind. Obwohl ETFs nur rund 16 % der Fondsprodukte in der Schweiz ausmachen, vereinen sie bereits etwa 26 % des gesamten Fondsvermögens. Gleichzeitig fliesst seit einigen Jahren ein Grossteil der neuen Anlagegelder in ETFs statt in klassisch aktiv gemanagte Anlagefonds.

Die Studie zeigt zudem, dass das Interesse weiter wächst:

  • Rund 87 % der bestehenden ETF-Investoren möchten ihr Engagement weiter ausbauen.
  • Etwa ein Drittel der bisherigen Nicht-ETF-Anlegerschaft plant einen Einstieg.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass ETFs für viele Anlegerinnen und Anleger mittlerweile ein zentraler Bestandteil einer langfristigen Anlagestrategie bzw. des langfristigen Vermögensaufbau sind.

Warum ETFs für Anlegerinnen und Anleger attraktiv sind

1. Breite Diversifikation

Gemäss der ETF-Anlegerstudie nennen 83 % der Schweizer Anlegerinnen und Anleger Diversifikation als wichtigsten Vorteil von ETFs. Das reduziert das Risiko gegenüber Einzelaktien und ermöglicht eine effiziente Streuung über Länder, Branchen oder Anlageklassen hinweg.

2. Tiefe Kosten

Ein entscheidender Vorteil von ETFs liegt in ihren vergleichsweisen niedrigen Kosten. Da sie passiv einen Index nachbilden, benötigen sie kein teures aktives Fondsmanagement.

Viele aktiv verwaltete Fonds schaffen es langfristig nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Daher wenden sich immer mehr Anleger kostengünstigen ETFs zu, die den Markt möglichst effizient abbilden.

Selbst geringe Gebührenunterschiede können über viele Jahre einen erheblichen Einfluss auf die Rendite haben.

3. Transparenz und Flexibilität

ETFs sind börsengehandelt und können wie Aktien während der Handelszeiten gekauft oder verkauft werden. Zudem ist jederzeit ersichtlich, welcher Index abgebildet wird und welche Wertpapiere im Fonds enthalten sind.

Diese Transparenz macht ETFs insbesondere für selbstbestimmte Anleger attraktiv, die ihr Portfolio eigenständig verwalten möchten.

4. Einfacher Vermögensaufbau mit Sparplänen

Immer beliebter werden auch ETF-Sparpläne. Dabei investieren Anleger regelmässig – beispielsweise monatlich – einen festen Betrag in einen ETF.

Diese Strategie hat mehrere Vorteile:

  • Disziplinierter Vermögensaufbau
  • Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt)
  • Einstieg auch mit kleineren Beträgen möglich

Gerade für junge Anlegerinnen und Anleger bietet sich diese Methode an, um langfristig Vermögen aufzubauen.

Steuerliche Besonderheiten für ETF-Investoren in der Schweiz

Die steuerlichen Rahmenbedingungen gehören zu den Gründen, weshalb die Schweiz für Privatanleger besonders attraktiv ist.

1. Kapitalgewinne sind in der Regel steuerfrei

Ein zentraler Vorteil besteht darin, dass Kapitalgewinne aus Wertschriftenverkäufen grundsätzlich steuerfrei sind, sofern die Anlagen im Privatvermögen gehalten werden.

Das bedeutet: Wenn Anleger ETFs zu einem höheren Preis verkaufen, als sie gekauft wurden, fällt keine Einkommenssteuer auf den Gewinn an.

Diese Regel unterscheidet die Schweiz deutlich von vielen anderen Ländern, in denen Kapitalgewinne steuerpflichtig sind.

2. Dividenden und Ausschüttungen sind steuerpflichtig

Anders sieht es bei laufenden Erträgen aus. Dividenden oder Zinsanteile aus ETFs gelten als Einkommen und müssen in der Steuererklärung angegeben werden.

Bei Schweizer Wertschriften wird zudem eine Verrechnungssteuer von 35 % erhoben. Diese wird jedoch vollständig zurückerstattet, sofern die Erträge korrekt deklariert werden.

3. Vermögenssteuer nicht vergessen

Neben der Einkommenssteuer spielt auch die Vermögenssteuer auf kantonaler Ebene eine Rolle. ETFs zählen zum steuerbaren Vermögen und müssen mit ihrem Marktwert per Jahresende in der Steuererklärung angegeben werden.

Trends: Themen-ETFs und neue Anlagestrategien

Neben klassischen Index-ETFs gewinnen auch spezialisierte Produkte an Bedeutung. Laut der ETF-Anlegerstudie interessieren sich viele Schweizer Investoren zunehmend für sogenannte Themen-ETFs, beispielsweise zu Bereichen wie:

  • Künstliche Intelligenz
  • Robotik
  • Gesundheitstechnologie
  • Nachhaltige Investments

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass das Wissen über neue ETF-Varianten – etwa aktiv gemanagte ETFs – noch relativ begrenzt ist. Hier besteht weiterhin Informationsbedarf für Anleger.

Sicherheit von ETF-Anlagen bei einer Insolvenz des Anbieters

Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich, was mit ihrem investierten Geld geschieht, wenn der ETF-Anbieter oder die Depotbank in finanzielle Schwierigkeiten gerät. In den meisten Fällen besteht hier jedoch ein hohes Mass an Sicherheit.

ETFs sind in der Regel als sogenanntes Sondervermögen strukturiert. Das bedeutet, dass die Vermögenswerte des Fonds rechtlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft oder der Depotbank getrennt sind. Die im ETF enthaltenen Wertpapiere – beispielsweise Aktien oder Anleihen – gehören somit nicht dem Anbieter, sondern den Anlegerinnen und Anlegern des Fonds.

Bei ETFs mit physischer Replikation werden die zugrunde liegenden Wertpapiere tatsächlich vom Fonds gekauft und im Fondsvermögen gehalten. Sollte der ETF-Anbieter oder Vermögensverwalter insolvent werden, fällt dieses Fondsvermögen daher nicht in die Konkursmasse der Gesellschaft. Stattdessen bleibt es Eigentum der Anleger und wird von einer anderen Verwaltungsgesellschaft weitergeführt oder an die Anleger übertragen.

Diese Struktur stellt sicher, dass das investierte Kapital grundsätzlich vor einer Insolvenz des Anbieters geschützt ist.

Unterschiedliche Replikationsmethoden von ETFs

ETFs können einen Index auf unterschiedliche Weise nachbilden. Für Anlegerinnen und Anleger kann es sinnvoll sein, die wichtigsten Methoden zu kennen, da sie sich hinsichtlich Struktur und Risiko unterscheiden.

Physische Replikation
Bei der physischen Replikation kauft der ETF die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich und hält sie im Fondsvermögen. Ein ETF auf den SMI würde beispielsweise Aktien von Unternehmen wie UBS, Novartis oder Roche direkt erwerben.

Synthetische Replikation
Bei synthetischen ETFs wird die Indexentwicklung über sogenannte Total-Return-Swaps nachgebildet. Dabei garantiert eine Gegenpartei – meist eine Bank – die Rendite des Zielindex. Dadurch entsteht ein gewisses Gegenparteirisiko, falls diese Partei insolvent wird.

Optimized Sampling
Beim sogenannten Optimized Sampling hält der ETF nur eine Auswahl der im Index enthaltenen Wertpapiere. Die restliche Indexentwicklung kann teilweise über Derivate oder Swaps abgebildet werden. Diese Methode wird häufig eingesetzt, wenn ein Index sehr viele Titel umfasst oder einzelne Wertpapiere schwer handelbar sind.

Beispielsweise könnte ein ETF, der einen Index mit den Aktien von UBS, Novartis und Roche abbildet, lediglich die UBS-Aktie physisch halten, während die Performance von Novartis und Roche über einen Swap-Vertrag mit einer Gegenpartei nachgebildet wird.

Junge Generation setzt stärker auf eigene Vorsorge

Ein weiterer Treiber für das wachsende Interesse an ETFs ist die zunehmende Skepsis gegenüber der staatlichen Altersvorsorge. Besonders junge Erwachsene zweifeln daran, dass die bestehenden Vorsorgesysteme langfristig ausreichen werden, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern.

So zeigt das Swiss Life Selbstbestimmungs-Barometer, dass nur rund 23 % der 18- bis 29-jährigen Vertrauen in das aktuelle Vorsorgesystem haben. Gleichzeitig machen sich gemäss der Deloitte Gen Z & Millennial Survey rund 49 % der Generation Z Sorgen über ihre finanzielle Situation im Alter.

Diese Entwicklung führt dazu, dass viele junge Menschen ihre Altersvorsorge zunehmend selbst in die Hand nehmen. Neben der steuerbegünstigten privaten Vorsorge über die Säule 3a gewinnen daher auch langfristige ETF-Investitionen an Bedeutung, da sie einen kostengünstigen und breit diversifizierten Vermögensaufbau ermöglichen. Es gibt unterdessen auch Säule 3a Anbieter, wie zum Beispiel Viac, welche auch Anlagen über ETFs anbieten und deshalb kostengünstiger sind als klassische Säule 3q Produkte.

Fazit

ETFs haben sich in der Schweiz zu einem wichtigen Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau entwickelt. Sie bieten Anlegerinnen und Anlegern eine einfache Möglichkeit, breit diversifiziert und kostengünstig in die Finanzmärkte zu investieren.

Besonders attraktiv sind ETFs durch ihre niedrigen Kosten, hohe Transparenz und steuerlichen Vorteile. Gleichzeitig sollten Anleger die steuerliche Behandlung von Dividenden sowie die Vermögenssteuer im Auge behalten.

Wer langfristig investiert, breit diversifiziert und auf Kosten achtet, kann mit ETFs eine solide Grundlage für den eigenen Vermögensaufbau schaffen.

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